Die Spielarena im Parco Sempione war heut geschmückt mit Flaggen des Hauptsponsors vom Homeless World Cup. Die globale Telekommunikationsgesellschaft hatte ihren grossen Auftritt und dazu Aushängeschild Lewis Hamilton mitgebracht. Die italienischen Medien strömten deshalb zur Pressekonferenz und befragten ihn zu Ferrari, Alonso und wie ihm das Essen in Italien schmeckt. Ach ja, eine Frage zu seinem Bezug zum Homeless World Cup war auch dabei.
Die Schweizer Spieler interessierten sich deutlich weniger für den Formel 1 Champion. Jedes Team hätte einen Spieler mit einer Frage zu Hamilton schicken können. Doch die zwei, die ihn überhaupt kannten, wollten wenn schon, seine Freundin, Pussycat Dolls Sängerin Nicole Scherzinger treffen.
Dafür kam einen andere Nicole das Team besuchen. Die ehemalige Schweizer FIFA-Schiedsrichterin Nicole Petignat wurde von den Spielern freundlich begrüsst. Sie hatte letztes Jahr in der Surprise Strassensport Liga die Schweizermeisterschaft gepfiffen und dieses Jahr mit HWC Head-Referee Gerhard Holzmann einen Schiedsrichterkurs für die Liga geleitet. Gemeinsam mit Surprise Strassensport Sponsor Hyundai kam sie uns auch in Milano unterstützen.
Am meisten hätte sie uns auf dem Spielfeld gebracht. Denn die Idee, beim Homeless World Cup italienische Nachwuchs Schiedsrichter auszubilden, ist definitiv eine Katastrophe. Die Streetsoccer Regeln unterscheiden sich doch deutlich vom Grossfeldfussball, nur haben die jungen Refs das auch nach fünf Tagen noch nicht kapiert. Fehlpfiffe en masse heizen immer wieder die Emotionen in und um das Feld auf. Und wenn Souveränität gefragt wäre, um die Situation zu beruhigen, sind die Jünglinge in gelb schlicht überfordert.
Beim Spiel gegen Gastgeber Italien wurde die Schweiz jedenfalls zwei Mal Opfer krasser Fehler. Aber von vorne:
Die Aufwärtstendenz vom ersten Siege gestern und eine flammende Garderobenrede von Santiago stachelten die Schweizer Nati an. Von der ersten Sekunde weg waren sie präsent, zeigten Einsatz und Übersicht. Es war mit Abstand das beste Spiel der Mannschaft. Jeder wuchs über sich hinaus und so bot die Schweiz den Italienern nicht nur Paroli, sondern lag meist mit ein bis zwei Toren in Führung. Die Stimmung im «San Siro» war dem spannenden Spiel würdig. Der Schiedsrichter, wie schon erwähnt, nicht. Erst pfiff er einen Penalty gegen das Schweizer Team, den man aus der Position des Schreiberlings deutlich besser sah und darum auch als klaren Fehlentscheid klassieren kann. Später liess er dann das Spiel weiterlaufen, als der Schweizer Spieler Ivan klar gefoult wurde und liegen blieb. Die Betreuer konnten den Spieler erst vom Feld holen, als die Italiener nach der irregulären Balleroberung auch noch ein Tor schossen.
Das war in diesem von beiden Teams intensiv, aber fair geführten Spiel, nicht nur ärgerlich. Denn obwohl Nathan endlich seine HWC-Torpremiere feiern konnte, glichen die Italiener kurz vor Abpfiff zum 8:8 aus. Beim anschliessenden Penaltyschiessen im Sudden Death Modus, gewannen die Italiener. Schön war dafür die Geste der Tifosi, als sie für die enttäuschten Eidgenossen applaudierend Spalier standen. Das Team hatte dies verdient und konnte nach dem packenden Spiel mit erhobenem Kopf vom Platz. Und einen Punkt holten die Schweizer ja auch noch, wie es beim HWC den Verlierern eines Penaltyschiessens nach Unentschieden zusteht.
In der Kabine entschieden Team und Trainer dann, dass von nun an Santiago die Captain-Binde tragen soll. Der klar beste Spieler des Team hat sich in den mittlerweile zehn Tagen Trainingslager und Turnier von der Diva zum Team dienlichen Regisseur gewandelt, der Verantwortung auf und neben dem Platz übernimmt.
Sein Diventum blitzte am Nachmittag vor dem Spiel gegen Dänemark nur kurz auf, als er die Binde am Arm als störend und unschön empfand. Ein neuer Platz war schnell gefunden: unter der Wade mit dem «Santiago»-Tatoo.
Die Schweiz spielte die erste Partie unter ihrem neuen Captain gut. Gegner waren die zwar grob aussehenden, doch fair und freundschaftlich gesinnten Dänen. Weil beide Teams rote Trikots trugen, spielten die Schweizer in weissen Ersatztrikots. Der Schiedsrichter-Azubi pfiff zwar wieder, dass es ein Graus war. Nur waren die Fehlentscheide mehr oder weniger gerecht auf beiden Seiten verteilt.
Den Unterschied machten diesmal die Torhüter. Während unser Kiflom bei drei, vier Toren sehr unglücklich aussah, verdiente sein dänisches Gegenüber drei, vier Mal das Prädikat «Weltklasse». So endete die Partie Dänemark – Schweiz 7:2.
Nach drei Spielen haben die Eidgenossen nun 4 Punkte auf dem Konto. Gewinnt die Schweiz morgen gegen Wales und Kroatien, liegt der zweite Gruppenrang noch drin. Steigern sich die Schweizer so wie in den letzen zwei Tagen, sollte das klappen.