Und trotzdem gewonnen

September 13th, 2009

Die Schweiz hat ihr letztes Spiel beim Homeless World Cup verloren. Der Abschluss gegen Norwegen war dennoch ein schöner Abschluss. Man zelebrierte mit den Norwegern schon vor dem Anpfiff das Freundschaft, Freude am Spiel und Fairplay wichtiger ist, als dass man siegt. Als kurz vor dem Einlaufen auch noch der bei den Schweizern sehr unbeliebte Schiedsrichter (siehe Schweiz – Italien) ausgetauscht wurde, waren die Eidgenossen gar mit den Referees versöhnt. Das neue, unbekannte Gesicht machte seine Sache gut.
Die Partie war  äusserst friedlich. Die Schweizer waren gar etwas zu freundlich und ruhig. Sie schoben sich den Ball in der gegnerischen Hälfte gemütlich hin und her. Und wenn dann doch mal einer schoss, hielt der Norwegische Keeper bravourös. Die Norweger waren dagegen auf der Lauer, konterten die Schweiz zwei, drei Male blitzschnell aus und gewannen 4:2.

Die Schweiz hat sich damit zur letzten Homeless World Cup Teilnahme um zehn Plätze gesteigert und belegt in Milano den 38. Schlussrang.

Um den Homeless World Cup spielen heut um 18.30 Uhr Ukraine und Portugal. Alles über das Finale, den Weltmeister und noch mehr zum Schweizer Team ab nächster Woche

Der Berner Bär hat’s gerissen

September 12th, 2009

Der Viertelfinal der Schweizer gegen Tschechien war ein Spiel zum Vergessen. Beide Teams rutschten auf dem vom nächtlichen Regen nassen Spielfeld umher. Es war kein reguläres Spiel möglich. Unschön auch ein paar Szenen. Allen voran, als Julien nach einem Ausrutscher verletzt liegen blieb, mit Verdacht auf Muskelanriss im rechten Unterarm. Vor Schreck gelähmt, lagen die Schweizer kurz nach Juliens Ausscheiden mit drei Toren zurück. Als der Schiedsrichter dann ein klares Torraumübertreten des Tschechischen Hüters nicht mit Penalty ahndete, verloren die Schweizer die Nerven. Santiagos Versuch der Ballrückeroberung endete mit einem Penalty gegen die Schweiz und einer blauen Karte (2 Minuten Strafe) für den wild ausrufenden Schweizer Goalie Kiflom. Santiago stellte sich als Captain selbst ins Tor. Es nützte nichts und am Ende stand es 4:9 für die Tschechen.

Der Community Cup war für die Schweiz damit gelaufen. Am Nachmittag ging es gegen Hong Kong jedoch darum, am Sonntag immerhin um Gruppenplatz 5 oder 6 zu spielen. Ausserdem kam der geduldig wartende Ersatztorhüter Urs zum Einsatz, während Kiflom für den verletzten Julien als Feldspieler auflief. Es wurde die grosse Show des Berner Teamseniors. Nicht nur warf er sich aufopfernd in die Bälle. Er hielt ausserdem einen, wenn auch selbstverschuldeten, Penalty. Zum Held avancierte er jedoch, als die Schweizer drei Sekunden vor Abpfiff nach einem dummen Verteidigungsfehlers noch ein Tor zum 3:3 Schlussstand kassierten. Die Equipe stand also wie beim Spiel gegen Italien wegen einem unnötigen Gegentor kurz vor Ende im Penaltyschiessen.
Diesmal durften die Schweizer jedoch zuerst Schiessen, was Diego übernahm. Mit einem Quentchen Glück rutsche sein Schuss am Torhüter vorbei. Urs dagegen parierte den ersten Penalty der Hong Konger souverän und wurde bei seinem ersten Einsatz über die volle Spiellänge gleich zum Helden des Teams. Demenstprechend wurde er Fans und Team gefeiert.

Morgen spielen sie nun gegen Norwegen um den fünften oder sechsten Gruppenrang.

Letzte Chance genutzt – und Surprise, Surprise: Was für eine Unterstützung

September 11th, 2009

Am letzten Spieltag der zweiten Gruppenphase bewies die Schweizer Mannschaft Teamgeist und Kämpferherz.

Beim Morgenspiel gegen das starke Team aus Wales spielte die Schweiz gut aber glücklos. Die Waliser waren nicht spielerisch, jedoch physisch eine Nummer zu gross für die junge Surprise Strassensport Nati. Die Schweizer liessen sich trotzdem auf die Zweikämpfe ein, konnten sich hin und wieder gar durchsetzen. Zum Erfolg fehlte jedoch das Quentchen Glück und ein sicherer Rückhalt im Tor. So endete die Partie 4:6 für Wales.

Der zweite Gruppenplatz war für die Schweiz damit in weiter Ferne gerückt. Dennoch trat die Equipe hoch konzentriert zu ihrem letzten Gruppenspiel gegen Kroatien an. Zusätzliche Motivation kam von den Rängen. Kurz vor Spielbeginn tauchte nämlich die Surprise Belegschaft auf. Das Team des Strassenmagazins kam bei seinem jährlichen Geschäftsausflug zur Unterstützung der Nati nach Mailand. Auch der Speaker war darüber hocherfreut, denn der stets singende und tanzende Fanblock um Lavinia, Meret, Joedie & Co. erhielt so stimmgewaltige Unterstützung.
Die brauchte das Team um so mehr, als Teamleader Santiago mit einer Knieblessur nicht spielen konnte und das Team nur von der Bande unterstützte.

Der Start verlief äusserst unglücklich. Keeper Kiflom war nervös und liess einen Rückpass zwischen den Beinen ins Tor flutschen. Auch der zweite Treffer der Kroaten ging klar auf sein Konto. Das Team liess sich jedoch nicht beirren und spielte konzentriert weiter. Diego, der in den letzten Tagen oft übers Feld schlafwandelte, riss sich heut für seinen verletzten Freund Santiago ein Bein aus. Mit einem beherzten Schuss schaffte er den Anschlusstreffer und doppelte später sogar nach. Das Spiel wogte nun hin und her. Sehr zur Freude des Publikums boten die Teams einen packenden Schlagabtausch. Dramatisch wurde es, als Goalie Kiflom nach einem Schuss ins Gesicht benommen liegen blieb. Trainer David Möller liess ihn erst weiterspielen als Kiflom vehement darauf insistierte. So komisch es anmutet, aber nun war Kiflom wach und seinem Team ein starker Rückhalt. Trotzdem gingen die Kroaten mit einer 3:2 Führung in die Pause.

Nach der Pause hielt es Captain Santiago nicht mehr aus. Er schnürte seine Schuhe, riss den Eisbeutel vom Knie und zog seine Nummer 8 über. Der Trainer erhörte sein Flehen und schickte ihn aufs Feld. Erst fiel er ins sein altes Ego-Schema zurück, doch nach kurzer Zeit hatte er und das Team ins Spiel gefunden. Die Achse Santiago-Yvan funktionierte besten und so drehten die Schweizer einen zwei Tore Rückstand bis zum Ende der Partie in einen hart erkämpften 6:7 Sieg. Der Sieg war absolut verdient. Gemeinsam mit den Kroaten bedankten sich die Schweizer beim Publikum mit einer Welle. Jeder einzelne Spieler wurde dafür beim Auszug aus der Arena von den Fans abgeklatscht.

Noch euphorisch vom Sieg posierten die Schweizer danach einzeln wie als Team mit dem Homeless World Cup und mit der FIFA Trophäe.

Die Schweiz steht damit morgen im Viertelfinale des Community und trifft auf Tschechien.

Lieber Nicole statt Lewis Hamilton – und der Wunsch nach guten Schiris

September 10th, 2009

Die Spielarena im Parco Sempione war heut geschmückt mit Flaggen des Hauptsponsors vom Homeless World Cup. Die globale Telekommunikationsgesellschaft hatte ihren grossen Auftritt und dazu Aushängeschild Lewis Hamilton mitgebracht. Die italienischen Medien strömten deshalb zur Pressekonferenz und befragten ihn zu Ferrari, Alonso und wie ihm das Essen in Italien schmeckt. Ach ja, eine Frage zu seinem Bezug zum Homeless World Cup war auch dabei.
Die Schweizer Spieler interessierten sich deutlich weniger  für den Formel 1 Champion. Jedes Team hätte einen Spieler mit einer Frage zu Hamilton schicken können. Doch die zwei, die ihn überhaupt kannten, wollten wenn schon, seine Freundin, Pussycat Dolls Sängerin Nicole Scherzinger treffen.

Dafür kam einen andere Nicole das Team besuchen. Die ehemalige Schweizer FIFA-Schiedsrichterin Nicole Petignat wurde von den Spielern freundlich begrüsst. Sie hatte letztes Jahr in der Surprise Strassensport Liga die Schweizermeisterschaft gepfiffen und dieses Jahr mit HWC Head-Referee Gerhard Holzmann einen Schiedsrichterkurs für die Liga geleitet. Gemeinsam mit Surprise Strassensport Sponsor Hyundai kam sie uns auch in Milano unterstützen.

Am meisten hätte sie uns auf dem Spielfeld gebracht. Denn die Idee, beim Homeless World Cup italienische Nachwuchs Schiedsrichter auszubilden, ist definitiv eine Katastrophe. Die Streetsoccer Regeln unterscheiden sich doch deutlich vom Grossfeldfussball, nur haben die jungen Refs das auch nach fünf Tagen noch nicht kapiert. Fehlpfiffe en masse heizen immer wieder die Emotionen in und um das Feld auf. Und wenn Souveränität gefragt wäre, um die Situation zu beruhigen, sind die Jünglinge in gelb schlicht überfordert.

Beim Spiel gegen Gastgeber Italien wurde die Schweiz jedenfalls zwei Mal Opfer krasser Fehler. Aber von vorne:
Die Aufwärtstendenz vom ersten Siege gestern und eine flammende Garderobenrede von Santiago stachelten die Schweizer Nati an. Von der ersten Sekunde weg waren sie präsent, zeigten Einsatz und Übersicht. Es war mit Abstand das beste Spiel der Mannschaft. Jeder wuchs über sich hinaus und so bot die Schweiz den Italienern nicht nur Paroli, sondern lag meist mit ein bis zwei Toren in Führung. Die Stimmung im «San Siro» war dem spannenden Spiel würdig. Der Schiedsrichter, wie schon erwähnt, nicht. Erst pfiff er einen Penalty gegen das Schweizer Team, den man aus der Position des Schreiberlings deutlich besser sah und darum auch als klaren Fehlentscheid klassieren kann. Später liess er dann das Spiel weiterlaufen, als der Schweizer Spieler Ivan klar gefoult wurde und liegen blieb. Die Betreuer konnten den Spieler erst vom Feld holen, als die Italiener nach der irregulären Balleroberung auch noch ein Tor schossen.
Das war in diesem von beiden Teams intensiv, aber fair geführten Spiel, nicht nur ärgerlich. Denn obwohl Nathan endlich seine HWC-Torpremiere feiern konnte, glichen die Italiener kurz vor Abpfiff zum 8:8 aus. Beim anschliessenden Penaltyschiessen im Sudden Death Modus, gewannen die Italiener. Schön war dafür die Geste der Tifosi, als sie für die enttäuschten Eidgenossen applaudierend Spalier standen. Das Team hatte dies verdient und  konnte nach dem packenden Spiel mit erhobenem Kopf vom Platz. Und einen Punkt holten die Schweizer ja auch noch, wie es beim HWC den Verlierern eines Penaltyschiessens nach Unentschieden zusteht.

In der Kabine entschieden Team und Trainer dann, dass von nun an Santiago die Captain-Binde tragen soll. Der klar beste Spieler des Team hat sich in den mittlerweile zehn Tagen Trainingslager und Turnier von der Diva zum Team dienlichen Regisseur gewandelt, der Verantwortung auf und neben dem Platz übernimmt.

Sein Diventum blitzte am Nachmittag vor dem Spiel gegen Dänemark nur kurz auf, als er die Binde am Arm als störend und unschön empfand. Ein neuer Platz war schnell gefunden: unter der Wade mit dem «Santiago»-Tatoo.

Die Schweiz spielte die erste Partie unter ihrem neuen Captain gut. Gegner waren die zwar grob aussehenden, doch fair und freundschaftlich gesinnten Dänen. Weil beide Teams rote Trikots trugen, spielten die Schweizer in weissen Ersatztrikots.  Der Schiedsrichter-Azubi pfiff zwar wieder, dass es ein Graus war. Nur waren die Fehlentscheide mehr oder weniger gerecht auf beiden Seiten verteilt.
Den Unterschied machten diesmal die Torhüter. Während unser Kiflom bei drei, vier Toren sehr unglücklich aussah, verdiente sein dänisches Gegenüber drei, vier Mal das Prädikat «Weltklasse». So endete die Partie Dänemark – Schweiz 7:2.

Nach drei Spielen haben die Eidgenossen nun 4 Punkte auf dem Konto. Gewinnt die Schweiz morgen gegen Wales und Kroatien, liegt der zweite Gruppenrang noch drin. Steigern sich die Schweizer so wie in den letzen zwei Tagen, sollte das klappen.

Der erste Sieg ist geschafft!

September 9th, 2009

Das grosse Durchatmen herrscht: Die Schweizer Nationalmannschaft hat ihr erstes Spiel beim Homeless World Cup gewonnen. Souverän ist anders, aber gewonnen ist gewonnen.

Zum Auftakt der zweiten Gruppenphase wartete ein vermeintlich einfacher Gegner auf die Schweizer. Gegen die Kambodschanische Nationalmannschaft, bestehend aus Strassenjungen aus Phnom Penh, wirkt das junge Schweizer Team wie Senioren. War es schweizerische Freundlichkeit oder die Verunsicherung nach den letzten fünf Niederlagen: Die Surprise Strassensport Nati spielte eine miserable erste Halbzeit. Diego wie Hayelom knallten jeden Ball, den sie in die Füsse bekamen überhastet und unpräzise Richtung gegnerisches Tor. Die körperlich unterlegenen, dafür taktisch clever eingestellten Kambodschaner kamen so immer wieder viel zu einfach in Ballbesitz und kombinierten sich dann durch die gelähmt wirkenden Schweizer. So lagen die Schweizer zur Halbzeit 2:3 zurück. Dabei war die erste Hälfte bislang meist ok, und erst danach kam der Einbruch.
Doch diesmal kamen nach der Pause Julien, Nathan und Ausnahmekönner Santiago. Letzterer spielte seine Rolle endlich wie von Trainer David Möller gefordert und riss das ganze Team mit, Er zog nicht mehr alleine nach vorne, sondern verteilte die Bälle. Dazu nutzten die anderen zwei Spieler plötzlich die ganze Feldbreite. Die Schweiz konnte endlich ihren Nutzen ziehen aus der regelbedingten Überzahlsituation in der gegnerischen Hälfte (beim HWC dürfen nur zwei Feldspieler in der eigenen Hälfte verteidigen, während man mit drei angreifen darf). Mit jedem Tor der Schweizer sank das Herzklopfen in und ausserhalb der Banden. Am Schluss stand es 6:4 für die Schweizer. Direkt nach dem Spiel stand bei den meisten Spielern weniger die Freude, denn der Schock über die beinahe erlittene sechste Niederlage im Gesicht. Vielleicht musste sich das Team auch erstmal ans gewinnen gewöhnen. In der Garderobe konnte sich das Team jedenfalls noch richtig freuen. Gewinnen fühlt sich gar nicht so schlecht an. Bitte morgen wieder! Wenn die Gegner mit Italien und Dänemark auch definitiv stärker einzuschätzen sind.

Alles tanzt nach Merets Pfeife

September 9th, 2009

Meret

In der Nationalliga von Surprise Strassensport ist Meret Pardey eine etablierte und von den Spielern respektierte Schiedrichtergrösse. Nun kommt das pfeifende Nachwuchstalent beim Homeless World Cup zu seinem ersten internationalen Einsatz. Als Fan der Schweizer Nati nach Milano gereist, hat sie ihr Mentor und Ausbilder Gerhard Holzmann, Head-Referee des Homeless World Cup, aufgeboten, das heutige Spiel der Schiedsrichter gegen die Coaches zu pfeifen. Den Spielern im Camp hat Meret mit ihrem natürlichen Charme eh längst den Kopf verdreht. Nun tanzen auch noch die Trainer und Schiedsrichter nach ihrer Pfeife. Wo führt das noch hin?

Vielleicht zu einer internationalen Karriere beim Homeless World Cup. Schliesslich strebt der Cup nächstes Jahr in Rio auch ein Frauenturnier an, mit 32 Teams.

Die Schweizer Nati startet derweil in die zweite Gruppenphase. Zum Auftakt spielen sie heute gegen Kambodscha. Morgen geht es dann gegen Italien und Dänemark, am Donnerstag treffen sie auf Wales und Kraotien. Wieder keine einfache Gruppe, aber der erste Sieg liegt in der Luft. Die Stimmung ist jedenfalls blendend!

Das Leiden hat ein Ende

September 8th, 2009

Die Surprise Strassensport Nationalmannschaft hat die erste Gruppenphase überstanden. Eine harte Lektion für das junge Team, auch am letzten Tag.

Die Schweizer mussten nach einer weiteren Nacht im Zeltlagen als erste in der Arena Civica antraben. Der Gegner war Gruppenfavorit Schottland. Die Bravehearts gehören seit Jahren zu den absoluten Top Teams beim Homeless World Cup. Sie profitieren wie alle anderen Teams von der Insel von einem einheitlichen Förderprogarmm, in enger Zusammenarbeit mit Top Clubs der Profi Ligen. Inselgerecht wurde vor dem Spiel noch der als Rasenersatz dienende Streetsoccer Belag in Ordnung gebracht.

Die Schweizer kämpfen am Anfang heldenhaft und wehren sich mit gutem Teamspiel gegen die heranstürmenden Schotten. Nur sparen die Schotten definitiv nicht mit Schussgewalt und der Schweizer Goalie Kiflom hat nicht seinen besten Tag. Zur Pause steht es bereits 2:7. Trainer David Möller schickt für die zweite Hälfte Urs zwischen die Pfosten. Der wehrt sich redlich, kann aber bei seinem Debüt die drohende Niederlage nicht abwenden. 3:13 steht es am Ende der vierzehn Minuten.

Doch das Resultat spielt für einmal keine all zu grosse Rolle. Mit den drei Niederlagen davor hat die Schweiz ihre Chancen auf den Homeless World Cup schon verspielt und spielt ab morgen mit den 24 Teams der zweiten Tableau-Hälfte um den den Milano Myland Host Cup, den Croce Rossa Community Cup oder um die INSP Networking Trophy.

Den nächsten und letzten Gegner der ersten Gruppenphase wollten die Schweizer trotzdem bezwingen. Mit Namibia teilt die Surprise Strassensport Nationalmannschaft nämlich seit Samstag das Zelt. Es ging also um den internen Zeltcup und der Stadionsprecher kündigte die Teams ganz nach dem Zeltplatz-Schlachtruf als «Patitos United» an.

Dementsprechend motiviert spielen die Schweizer ihre bislang beste erste Halbzeit. Namibia kann zwar immer vorlegen, doch die Schweizer kämpft sich stets heran. Sie lassen sich selbst dann nur kurz aus der Ruhe bringen, als Stürmer Hayelom nach einem rüden Foul ausscheidet. Leider pfeift dieses Spiel erneut ein dem Homeless World Cup unwürdiger oder schlicht nicht gewachsener Schiedsrichter-Lehrling. Hayelom erleidet zum Glück nur eine schmerzhafte Prellung und mit einem 6:5 Rückstand, ist für die Schweiz zur Halbzeit noch alles offen.

Doch wie schon beschrieben: Es ist nicht der Tag von Torhüter Kiflom und auch das Team baut in der zweiten Halbzeit ab. Und so endete die erste Gruppenphase der Schweizer mit einer deftigen 13:5 Klatsche.

Bleibt zu hoffen, die Schweizer können sich in der Nacht trotz der zu erwartenden Hänseleien vom Zeltnachbar erholen. Denn morgen um elf Uhr schaut Formel 1 Weltmeister Lewis Hamilton beim Homeless World Cup vorbei. Und noch viel wichtiger für die Schweizer Nati: Die zweite Gruppenphase startet! Dann zählen die Resultate auch für uns wieder und dann wollen wir endlich gewinnen!

Den Weltmeistertitel verpasst

September 7th, 2009

Die Sonne strahlt wieder über Milano, aber nicht für die Schweizer. Beide Spiele Gruppenspiele am Homeless World Cup haben sie verloren: Und man kann sagen: Die Schweizer Nati ist sich selbst im Weg gestanden und konnte in beiden Spielen nicht ihr Potential abrufen.

Gegen Holland gerät die Schweiz schnell in Rückstand. Wieder spielen die Schweizer blockiert. Dank einem Penalty und einer feinen Einzelaktion von Santiago können Schweizer zwar zwei Treffer landen. Da Santiago aber auch die Verteidigungsarbeit seiner Mitspieler übernehmen will, entstehen auf seiner linken Seite Löcher, welche die Holländer ausnutzten. Sein Einsatz ist löblich, für’s Gesamtspiel der Mannschaft jedoch eher schädlich. Würden sich alle so für das Zusammenspiel aufopfern, lägen die Hollander jedoch zur Pause nicht mit 6:2 in Führung.
Nach dem Seitenwechsel spielen die Schweizer besser. Es wird vermehrt gepasst und sie ziehen endlich ihr Dreieckspiel auf. Sogleich kommt mehr Ruhe und Sicherheit ins Spiel. Die Schweizer müssen weniger laufen – vor allem weniger hinterher rennen – und sind prompt Feldüberlegen. Sie entscheiden diese zweite Halbzeit mit 1:2 für sich. Leider reichte das nicht um das Total zu drehen.

Zwar hatte man 7:4 verloren, doch auf die zweite Hälfte konnte man aufbauen. Ausserdem hatte Finnland, der zweite Gegner am heutigen Spieltag auch beide bisherigen Spiele verloren. Mit einem Sieg über Finnland und einem erfolgreichen dritten Tag, hätte sich die Schweiz immer noch für die nächste Gruppenphase mit den 24 besten Teams qualifizieren können.

Die Schweizer  verfällt jedoch mit dem Anpfiff ins alte Schema. Die einen Spieler suchen das Glück im Alleingang, andere lassen sich zu sehr von der Physis der Finnen beeindrucken. Dass der Schiedsrichter miserabel pfeifft, macht die Sache auch nicht einfacher. Es vergrössert jedoch den Frust der jungen Spieler. Wieder steht es zur Pause 6:2 für den Gegner.
Wiederum startet die Schweizer Nati in der zweiten Halbzeit eine Aufholjagd und kommt auf 6:4 ran. Als die Finnen nochmals treffen, lassen die Eidgenossen den Kopf jedocch vollends hängen und verlieren das wichtige Spiel 9:4.

Ein Tag zum abhaken. Der Frust sitzt tief. Da hilft es auch nicht, dass Santiago eine Goldmedaille überreicht bekommt, für den Spieler mit dem härtesten Schuss (116 Km/h).Der Traum vom Homeless World Cup ist für die Surprise Strassensport Nati geplatzt.

Glücklicherweise kann die Schweiz beim Homeless World Cup trotzdem was reissen. Drei Cups sind immer noch in Reichweite. Das hilft und tröstet heute kaum. Doch vielleicht scheint die Sonne ab morgen ja auch für die Schweiz.

Schöner Auftakt ohne Happy End

September 6th, 2009

Die Surprise Nationalmannschaft hat den schönen Bauernhof im Tessin verlassen mit dem Ziel Milano. Die Metropole ist jedoch nicht das eigentliche Ziel. Die Spieler streben bestärkt durch das Trainingslager den Homeless World Cup an.

Bei der Welcome Party im Parco Sempione vermischt sich die Schweizer Nati mit den Spielern der anderen 47 Teilnehmernationen und geht erstmals auf Tuchfühlung mit der Trophäe. Fotos werden geschossen und Fangesänge angestimmt. Erst bei der Gruppenauslosung kehrt angespannte Stille in den Saal. Die Schweiz wird der Gruppe E zugelost, mit Schottland, Holland, Finnland, Namibia und Costa Rica. Gerade Holland ist ein Traumlos. Die Jungs haben sich nämlich bereits mit den Niederländern verbrüdert. Einfach wird dieses Spiel und das Weiterkommen in dieser Gruppe sicher nicht. Drei Siege müssen her, damit die Schweiz nach der ersten Qualifikationsrunde sicher zu den 24 Topteams gehört, die weiter um den Homeless World Cup spielen.
Schottland stellt seit Jahren Spitzenteams, wurde letztes Jahr Vierter und holte 2007 gar den Homeless World Cup. Das holländische Team wird vom Niederländischen Fussballverband trainiert. Die drei weiteren Gegner sind schwer einzuschätzen. Gerade, da Spieler nur einmal beim HWC teilnehmen dürfen und dadurch die Eindrücke der letzten Jahre nur bedingt zählen. Aber das ist heut abend auch egal. Kaum einer lässt sich die Möglichkeit entgehen mit dem Pokal der Begierde zu posieren.

Noch Ausgelassener geht es beim Einzug der Mannschaften in die altehrwürdige Arena Civica zu, dem Austragungsort des 7. Homeless World Cup. Die gut 500 Spieler aus aller Welt ziehen von der Piazza Cadorna kommend am impossanten Castello vorbei Richtung Parco Sempione–  beklatscht von Zuschauern und begleitet von vielen Kameras. Auch das Tessiner Fernsehen ist für die Nati nach Mailand gekommen. Im Stadion angekommen, geht es nach der sympatisch kurz gehaltenen Eröffnungszeremonie los mit Fussball. Gastgeber Italien spielt gegen Ghana und verliert 4:6.

Noch schlimmer ergeht es den Schweizern bei ihrem Auftakt. Nach gutem Beginn gehen sie glücklich 1:0 in Führung. Der Goalie von Costa Rica hat einen Ball der Eidgenossen unterschätzt und so plumbst das Rund hinter ihr doch noch ins Netz. Costa Rica kaann aber ziemlich postwendend ausgleichen. So geht das packende Spiel weiter bis zur Pause. Doch obwohl die Schweizer stets vorlegen können, kommt nie Ruhe in ihr Spiel. Der ungewohnte Kunststoffboden, das erste Spiel – was auch immer: Die Schweizer wirken nervös. Das gepflegte Passspiel im Dreieck, welches sie beim letztes Testspiel noch so überlegen Siegen liess, können sie nie aufziehen. Zur Pause steht es 4:4.
Nach dem Seitenwechsel gehen die Schweizer erneut in Führung. Ein Torhüterwechsel bei Costa Rica, verleiht den sogenannten Schweizern Mittelamerikas zusätzliche Sicherheit, während die Eidgenossen Mitteleuropas auseinanderfallen. Einzelne Spieler versuchen sich mit Sololäufen gegen die drohende Niederlage aufzubäumen. Das reisst im System der Schweizer jedoch nur zusätzlich Löcher auf, welche die ballsicheren und sehr gut aufeinander eingespielten Costa Ricaner gnadenlos ausnutzen. Inner drei Minuten ziehen sie von 5:5 auf 5:9 davon.

Das Schlussresultat ist zu hart. So gross war der Leistungsunterschied zwischen den Teams nicht. Doch kurze Nachlässigkeiten werden im schnellen Streetsoccer knallhart bestraft.

Den Schmerz über die Niederlage konnte die Gelati-Runde im Schatten der Bäume des schönen Parco Sempione etwas lindern. Trainer David Möller hat aber noch einiges zu tun um die Moral der Schweizer wieder auf das Vorturnier-Niveau zu heben. Die braucht es jedoch, um morgen im nächsten Spiel gegen Holland zu bestehen. Diese besiegten in ihrem Auftaktspiel Gruppenfavorit Schottland im Penaltyschiessen (3:3 nach regulärer Spielzeit). Am Nachmittag spielt die Schweiz dann noch gegen Finnland. Die haben ihr erstes Spiel gegen quirlige Namibier mit 1:5 deutlich verloren.

Vom Regen in den Triumph

September 3rd, 2009

Erstmals wurden auch wir in der Sonnenstube verregnet. Das morgendliche Joggen wurde  zum Pfützen hüpfen und die Spieler freuten sich auf die Taktik Lektion – schön trocken, in Inhalt wie Umgebung.

Doch Coach David Möller hat anscheinend das richtige Rezept für die Schweizer Nationalmannschaft gefunden. Das Team brillierte am Nachmittag, als die Sonne sowie diverse Medienvertreter aus der französischen und italienischen Schweiz das letzte Testspiel der Nati vor dem Homeless World Cup sehen wollten. Stellungsspiel, Passgenauigkeit und Trefferquote sind deutlich besser geworden. Die Gegner hatten keine Chance.

Dabei waren sie durchaus von Format, mit Gürkan «Gügi» Sermeter, dem technisch versierten Mittelfeld Regisseur der AC Bellinzona, sowie David Möller und Olivier Joliat vom Surprise Strassensport. Dazu hütete der zweite Nationalteam Goalie Urs das Tor. Trotzdem führten seine Nati-Kollegen nach der ersten Halbzeit mit 6:1. Eine kurze Phase der Nachlässigkeit nutzten Sermeter & Co., um auf 6:4 ranzukommen. Eine Rhythmussteigerung reichte der Nati jedoch, um für rote Köpfe und verschwitzte Trikots beim Gegner zu sorgen. Am Ende feierten das Team einen  überlegenen 10:5 Sieg.

Milano wir kommen!